Digitale Transformation und Unternehmenskultur

Anfang 2017 veröffentlichte die Management- und Technologie-Beratung BearingPoint die Ergebnisse einer Untersuchung in 280 Unternehmen zum Thema Digitale Transformation u.a. mit diesen zwei zentralen Fragestellungen:

Aus welcher Perspektive wird das Thema Digitalisierung von den Unternehmen aufgegriffen?

 im Vergleich zu:

Welche internen Herausforderungen bzgl. Digitalisierung sehen die Führungskräfte der befragten Unternehmen?

Befragung zur Digitalisierung

Die Ergebnisse zeigen eine starke Diskrepanz zwischen den Themen, mit denen sich die befragten Unternehmen tatsächlich befassen, (=linkes Diagramm) und dem, was unternehmensintern als besonders herausfordernd angesehen wird (= rechtes Diagramm).

Technologien, Tools usw. dominieren klar die derzeitigen Digitalisierungsbemühungen, obwohl sie nach interner Einschätzung nicht extra wichtig sind.  

Ganze sechs Prozent der Unternehmen beschäftigen sich mit „Verhaltensweisen, Paradigmenwechsel“. In krassem Gegensatz dazu konzentrieren sich mehr als die Hälfte aller Antworten auf die Herausforderungen in „Kultur“, „Struktur“ und „Innovationsfähigkeit“.

Die geschilderten Untersuchungsergebnisse sind aus meiner Sicht zwar unbefriedigend, aber zutiefst menschlich. Es war schon immer leichter, sich mit konkreten Aufgaben und Problemen zu befassen. Verspricht das doch in überschaubarer Zeitspanne auch sichtbare Fortschritte.

Unternehmenskulturelle Aspekte erscheinen demgegenüber als komplexe, schwierige und eher langwierige Projekte. Hinzu kommt noch die Doppelrolle der Führungskräfte als Mitgestalter und gleichzeitig als Betroffene der Unternehmenskultur. Jede angedachte Änderung auf diesem Feld bedeutet wahrscheinlich für die Führungskräfte, auch sich selbst ändern zu müssen.

Für die Unternehmen gibt es aber keine Alternative. Oder um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Wenn wir bewahren wollen, was wir haben, müssen wir vieles ändern.“

Ludger Grevenkamp
16. Januar 2018