Digitalisierung und Werteorientierung

In Sachen Digitalisierung gelten die USA als das Traumland. Wir kennen Google, Facebook, Apple, Ebay, Amazon, Netflix, Uber, Airbnb usw. und viele von uns nutzen deren Dienste regelmäßig. Die Wallstreet hat die Bedeutung dieser digitalen Pioniere für die weltweiten Märkte in ein Akronym gepackt: FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google). Der aktuelle Marktwert dieser fünf Tech-Giganten entspricht ungefähr dem Brutto-Inlandsprodukt von ganz Frankreich.

Wer das Buch „Silicon Valley“ von Christopher Keese liest, muss die USA für ihre Innovationskraft und ihren Erfolg in der Digitalisierung bewundern. Gleichzeitig gewinnt er den Eindruck, Europa hat die Digitalisierung großenteils verschlafen und wird kaum den großen Vorsprung der USA wieder aufholen.

Gerade der letztgenannte Punkt ist wohl ein Grund mehr, warum der Digitalisierung bei uns auch viel Gefährliches anhaftet. Sie zerstört Geschäftsmodelle und treibt althergebrachte Unternehmen in den Ruin. Sie macht Menschen arbeitslos, verändert rasend schnell unsere Art zu leben und öffnet Tür und Tor für Cyberkriminalität.

Was uns aber vor allem stört, ist der Dominanz-Anspruch der amerikanischen Tech-Giganten getreu dem „The winner takes it all“. Unter ihrem kompromisslosen Streben nach einem möglichst globalen Marktmonopol leiden die Fairness gegenüber Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern sowie der Respekt gegenüber anderen Ländern, deren Lebensart und Regeln.

Das passt nicht zu unserem Weltbild und unseren Werten. Schon allein deshalb können wir die Amerikaner nicht einfach kopieren. Unsere Herausforderung besteht vielmehr darin, der Digitalisierung US-amerikanischer Prägung eine Digitalisierung mit europäischer Denkweise und Werteorientierung entgegen zu setzen. Konkrete Vorschläge, „Wie wir die Digitale Transformation schaffen“, macht u. a. Christopher Keese in seinem neuen Buch „Silicon Germany“.

Ludger Grevenkamp
31. Januar 2018