Was ist Digitalisierung? Teil 5

Im Teil 5 dieser Blog-Serie geht es um das Internet der Dinge, um industrielles Internet, Industrie 4.0 und um „Software“ – die Schwerpunkte auf der diesjährigen Hannover Messe.

Das folgende Schaubild vermittelt einen Überblick über die verwendeten Begriffe. 

Internet der Dinge

Wenn von Digitalisierung die Rede ist, taucht auch immer wieder der Begriff „Internet of Things“ (IoT), „Internet der Dinge“ auf. In schöner Regelmäßigkeit wird hier der Kühlschrank genannt, der eigenständig Salami nachbestellt. Oder es werden „Wearables“ vorgestellt: Smartwatches, Fitness-Kleidung mit Elektronik oder Babysocken zur Überwachung des Kindes.

Weitgehend gewöhnt haben wir uns an Barcodes oder QR-Codes in Werbeanzeigen, auf Flugtickets oder auf Eintrittskarten für elektronische Zugangssysteme, z. B. bei Messe-Veranstaltungen. Zunehmende Verbreitung finden auch SmartHome-Lösungen, deren Funktionen sich über Sprachassistenten wie Alexa, Siri & Co. oder von unterwegs per Smartphone steuern lassen. 

Das Grundkonzept von IoT besteht darin, Produkte und Geräte zu digitalisieren und Internet-mäßig zu vernetzen. So können IoT-Produkte Daten über ihre Nutzung sammeln und gegebenenfalls mit intelligenten Anwendungen kommunizieren.

Das Angebot entsprechend digitalisierter Produkte wird weiterhin exponentiell wachsen. Auch hier stehen die Internet-Giganten in den USA in den Startlöchern, denn viele der erwähnten intelligenten Anwendungen dürften in deren Rechenzentren laufen und die Fülle der von den IoT-Produkten gesammelten Informationen sind im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert.

Industrie 4.0 / Industrielles Internet

In vielem orientiert sich das Internet der Dinge am Verbraucher und seinen Bedürfnissen. Ein wichtiger Treiber von IoT ist aber auch das „industrielle Internet“, das wir in Deutschland „Industrie 4.0“ nennen: Miteinander vernetzte Werkstücke, Maschinen und Logistiksysteme, die sich selbst organisieren und steuern und so die Effizienz in Produktion und Logistik noch einmal deutlich steigern. Die gerade stattfindende Hannover Messe gibt einen guten Überblick über den momentanen Stand diesbezüglicher Entwicklungen.

Deutschland nimmt in diesem Bereich seit jeher einen Spitzenplatz in der weltweiten Wirtschaft ein. Das war für deutsche Unternehmen auch immer notwendig, um gegenüber Low-cost-Ländern wettbewerbsfähig zu sein. Unser heutiger Leistungsstand der Digitalisierung und Automatisierung muss den internationalen Vergleich nicht scheuen. Im Gegenteil.

Mit der weiteren Vernetzung von Menschen und Maschinen, mit noch mehr Automatisierung sowie dem Einsatz digitaler Technologien wie autonome Roboter, 3D-Druck oder Künstliche Intelligenz wird die Effizienz rund um die Herstellung von Produkten weiter gesteigert werden. Hierauf werde ich in den nächsten Beiträgen noch näher eingehen.

Erfolgsfaktor: Software!

Der wahre Erfolgsfaktor von Industrie 4.0 und auch des Internets der Dinge ist die Software. Bei der industriellen Ausrüstung – bei Produktionsanlagen, Maschinen, Robotern, Transporteinrichtungen – nimmt der Software-Anteil ständig zu.

So sagt Rainer Glatz, Geschäftsführer der Fachverbände Elektrische Automation und Software im VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, im is report: „Software ist das zentrale Realisierungselement bei Industrie 4.0, sei es als embedded Software, als Steuerungssoftware, als Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Software oder als App auf Smart Devices.“

Software wird aber auch immer wichtiger bei den Produkten selbst. Auch bei denen, die wir spontan vielleicht eher unter „Hardware“ einordnen würden, wie z. B. Computer-Drucker oder Autos.

Drucker bestehen schon seit langem wertschöpfungsmäßig vor allem aus Software und, was den Verkaufspreis betrifft, anscheinend vor allem aus Verbrauchsmaterial: Toner und Tintenpatronen.

In der Autoindustrie gehen Experten davon aus, dass schon in 5 Jahren Elektronik und Software die Hälfte der Wertschöpfung eines Fahrzeugs ausmachen. Der Trend zur E-Mobilität und das autonome Fahren werden den Wertschöpfungsanteil der Software weiter nach oben treiben. Die Computerwoche titelte in 2017 bereits: „Das Auto als Tablet auf Rädern“.

Nur – in Informationstechnik und Software sind die USA heute unbestrittener Marktführer. In vielen amerikanischen Schulen sind Informatik und Programmieren seit langem „Hauptfächer“. Viele Unternehmensgründer sind Informatiker.

Von Kalifornien wird berichtet: Selbst Kinder im Vorschulalter versuchen sich bereits an einfachen Programmieraufgaben auf ihren Tablets. Wir fragen uns sicherlich zu Recht, ob wir das gut finden und in Deutschland nachahmen sollten. Andererseits –

Vor allem mit Software sind Microsoft, Google, Amazon, Facebook, Apple, Cisco und viele weitere dorthin gekommen, wo sie heute sind. Tesla mag Probleme mit seiner Fahrzeugproduktion haben, in Sachen Software sind sie weit vorn.

In den nächsten Teilen dieser Blog-Reihe beschäftige ich mich mit den besonders stark wachsenden „neuen“ digitalen Technologien: Künstliche Intelligenz, Big Data, 3D-Druck und Virtual Reality / Augmented Reality.

Ludger Grevenkamp
28. April 2018

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